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„Woran forschen Sie gerade, Frau Professorin Schneider?“

„Woran forschen Sie gerade, Frau Professorin Schneider?“

© Foto: C. Wyrwa

Wissenschaft ist wichtig – und sie verständlich darzustellen ebenso. Wie lässt sich gesellschaftliches Vertrauen in die Wissenschaft stärken? Indem die Akteure über ihre Forschungsvorhaben, -methoden und -ergebnisse berichten.
Im aktuellen Beitrag: Prof. Dr. Judith Christiane Schneider, Professorin für Betriebswirtschaftslehre am Institut für Versicherungsbetriebslehre der Leibniz Universität Hannover zum Projekt ‚Visualisierung von Daten‘.

 

Wie erklären Sie einem Laien den Kern und die Relevanz Ihres aktuellen Forschungsvorhabens?

Visualisierungen von Daten sind in der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Sie vereinfachen das Verständnis komplexer Zusammenhänge, betonen aber auch bestimmte Strukturen oder Muster. Die Erwartungsbildung bei finanziellen Entscheidungen ist komplex – oftmals lassen wir uns dabei von unterschiedlichen und teils irrelevanten Dingen beeinflussen, wie zum Beispiel unseren Emotionen, dem Kontext der Entscheidung oder eben auch der Art der Datenvisualisierung. Den Einfluss solcher Faktoren besser zu verstehen kann dabei helfen, Entscheidungsprozesse zu verbessern und kostspielige Fehler zu vermeiden, indem beispielsweise Privatanleger durch bessere Finanzbildung aufgeklärt oder durch regulatorische Interventionen geschützt werden.

 

Welcher Methoden bedienen Sie sich?

Ich bediene mich sowohl experimenteller Forschung als auch empirischer Finanzmarktdatenanalyse und der Verwendung von Machine Learning, um zu verstehen, wie verschiedene Arten der Datenvisualisierung finanzielle Erwartungsbildung und Entscheidungen beeinflussen.

 

Welche Ergebnisse und Anwendungsmöglichkeiten erwarten Sie?

Ich erwarte Erkenntnisse darüber, wie Entscheider auf Finanzmärkten ihre Erwartungen formen. Letztlich hilft dies sowohl dabei, die Preisbildung auf Finanzmärkten als auch die Entscheidungen von privaten Akteuren im Finanzbereich besser zu verstehen. Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf makroökonomischen Erwartungen, die besonders für die Altersvorsorge relevant sind.

 

Mit welchen Mitteln finanzieren Sie Ihr Forschungsprojekt?

Aus unterschiedlichen Töpfen, da es sich ja um einen größeren Themenkomplex handelt. Dazu zählen projektbezogene Mittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Mittel des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur oder auch die Finanzierung aus dem allgemeinen Haushalt unseres Instituts.

 

Welches Problem in Ihrem Forschungsalltag ließe sich nach Ihrer Meinung ohne Geld lösen?

Ich wünsche mir mehr Zeit für meine Forschung.

 

In der wissenschaftlichen Praxis ist Versuch und Irrtum ein grundlegender Lern- und Erkenntnisprozess. Scheitern markiert hier kein Ende, vielmehr fungiert es als eine lehrreiche Ressource für zukünftigen Erfolg. Wir möchten Antworten auf die Frage „Was ist schiefgelaufen?“ veröffentlichen, weil eine offene Fehlerkultur Innovation fördert. Gab es in Ihrem akademischen Alltag eine Situation, aus der andere lernen können?

Grundsätzlich braucht man in der Wissenschaft viel Ausdauer und auch eine hohe Resilienz, um mit Frustration und negativer Kritik umzugehen. In Teams ist Kommunikation wichtig, aber auch, sich Fehler einzugestehen und zusammen an Lösungen zu arbeiten. Dies gilt im Allgemeinen, aber auch beim Schreiben von Publikationen. Manchmal muss man aber auch die Reißleine ziehen können und sich zur Not von einem Projekt verabschieden.

 

Vielen Dank für Ihre Auskünfte.

 

Die Fragen stellte Birgitt Baumann-Wohlfahrt.