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Forschungsarbeit zu Versorgungsgradprognosen wird mit Wissenschaftspreis geehrt

Forschungsarbeit zu Versorgungsgradprognosen wird mit Wissenschaftspreis geehrt

© Foto: Unsplash

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat die herausragende wissenschaftliche Arbeit eines Teams des Instituts für Wirtschaftspolitik der LUH zur Erforschung regionaler Unterschiede in der Gesundheitsversorgung ausgezeichnet.  

Als Teil der Maßnahmen zur Bekämpfung des Hausärztemangels insbesondere im ländlichen Raum gewinnt die Versorgungsplanung an Bedeutung. In ihrer Studie „Versorgungsgradprognosen als Baustein einer evidenzbasierten Versorgungsplanung“ prognostizieren Prof. Dr. Stephan L. Thomsen, Kai Ingwersen und Insa Weilage den Bedarf an Vertragsärzt*innen in Niedersachsen bis zum Jahr 2035. In einem Kohortenmodell wird projiziert, dass die Anzahl der Hausärzt*innen bis dahin von aktuell 5.044 auf rund 3.750 sinken wird. In der fachärztlichen Versorgung werde es starke Tendenzen zur Unterversorgung in ländlichen Planungsbereichen geben, so die Autor*innen. Besonders betroffen seien die Fachgruppen Augenheilkunde, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Dermatologie, Neurologie und Urologie.

Diese Arbeit zeigt auf, wie durch die Kombination von Bevölkerungsprognosen und Arztzahlprognosen auf Basis der Kohorten-Komponenten-Methode die Qualität der Versorgungsplanung verbessert werden kann. Auf Grundlage bereits verfügbarer Daten (Bevölkerungszahlen und Arztregister) können Entwicklungen der Versorgungsgrade kleinräumig vorhergesagt werden. Die regionale und temporale Differenzierung ermöglicht das frühzeitige Erkennen von spezifischen Handlungsbedarfen. Dabei ist es wichtig, Limitationen in der Ergebnisinterpretation zu berücksichtigen.

Die Originalarbeit wurde 2021 in der „Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen“ veröffentlicht. doi.org/10.1016/j.zefq.2021.02.002

Der mit insgesamt 7.500 Euro dotierte Wissenschaftspreis „Regionalisierte Versorgungsforschung“ wird jährlich vom Zi vergeben. Aufgrund des Votums der externen wissenschaftlichen Gutachter wurde der Preis in diesem Jahr geteilt. Geehrt wurde außerdem ein Forscherteam der RWTH Aachen für seine Arbeit „Heterogene Ausbreitungsdynamik in Deutschland während der 2. Welle der COVID-19-Pandemie: Zusammenhang mit Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens“.

Die prämierten Arbeiten werden im Versorgungsatlas veröffentlicht und sollen das Handeln von Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen unterstützen.

 

Zum Zi:

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland besteht seit 1973 ist ein Forschungsinstitut in der Rechtsform einer Stiftung des bürgerlichen Rechts. Träger der Stiftung sind die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung.

Verfasst von Birgitt Baumann-Wohlfahrt