Am 15. April liegt ab 18 Uhr eine gespannte Ruhe über dem Arnold-Picot-Saal. 35 Studierende, Gäste und Mitglieder der Fakultät sind gekommen, um das zu erleben, was das Kurt-Alten-Exzellenzprogramm seit acht Jahren auszeichnet: junge Menschen, die Verantwortung übernehmen und Ergebnisse präsentieren, die weit über ihr Studium hinausreichen.
Für Stefan Helber, Professor am Institut für Produktionswirtschaft und Akademischer Leiter des Programms, ist dieser Abend nach eigener Aussage immer ein besonderes Ereignis. „Es bereitet mir große Freude“, sagt er zur Begrüßung. Man spürt, dieses Programm ist für ihn keine organisatorische Aufgabe, sondern eine Herzensangelegenheit. Gemeinsam mit Inka Nozinski, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am gleichen Institut, hat er einen Rahmen geschaffen, in dem aus leistungsstarken Studierenden engagierte Gestalter werden.
Stefan Helber erzählt von einem Treffen im Jahr 2017 mit dem damaligen Universitätspräsidenten Prof. Dr. Erich Barke, bei der die Idee für das Programm entstand. „Heute, Jahre später, sitzt man in einem Saal und sieht, was aus dieser Idee geworden ist. Was machen eigentlich junge Menschen, die sich hier vor einem Jahr zum ersten Mal getroffen haben?“
Die Antwort liefern vier Sozialprojekte, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch eines gemeinsam haben. Sie zeigen, welche Wirkkraft sich entfaltet, wenn kluge Köpfe Verantwortung übernehmen.
KI-Kompass – digitale Souveränität statt Technikangst
Das Team von ‚KI-Kompass‘, Theo Bischoff, Fynn Hansen, Jonas Reichert und Roman Witte, brachte ein Thema in ein Stadtteilzentrum, das viele Menschen verunsichert - Künstliche Intelligenz. In einem vierstündigen interaktiven Workshop mit 15 Teilnehmenden zwischen 56 und 71 Jahren im Stadtteilzentrum Ricklingen erklärten die Projektmitglieder nicht nur, was KI kann, sondern nahmen vor allem die Angst davor.
Diskussionen, praktische Übungen, individuelle Hilfestellungen: Am Ende gaben 97 % der Teilnehmenden an, sich sicherer im Umgang mit KI zu fühlen. Eine 67-jährige Teilnehmerin sagte: „Ich habe das Gefühl, aktiv an der digitalen Entwicklung teilnehmen zu können.“
Leibniz blüht auf – Biodiversität zum Anfassen
Das Projekt ‚Leibniz blüht auf‘, das Angelus Dreß, Maja Hildenhagen, Marcel Kaase, Daniel Mordukhovych und Süheyla Yilmaz ins Leben riefen, wählte einen anderen Zugang zu gesellschaftlicher Verantwortung - Wildblumenwiesen statt PowerPoint. Gemeinsam säten die Studierenden Flächen aus, um der Biodiversitätskrise lokal entgegenzuwirken.
Was zunächst nach einer einfachen Aktion klingt, entfaltete eine besondere Dynamik: gemeinsames Anpacken, sichtbare Ergebnisse, Gespräche am Rand der Beete. Natur als sozialer Raum. Stefan Helber fasst es in einem Satz zusammen, der fast wie ein Motto des Abends klingt: „Sie können die Welt gestalten.“
Waywise – Orientierung für die Zeit nach dem Abitur
Die Mitglieder des Projektteams ‚Waywise‘, Tjorven Harmening, Luca Mytzka, Nikolas Okel und Cornelius Park, stellten sich zu Beginn ihrer Zusammenarbeit die Frage: Warum brechen Studierende ihr Studium ab und was hätte man selbst als Abiturient gebraucht? Die Antwort lautete: echte Einblicke, authentische Menschen und ehrliche Gespräche.
Das Team organisierte Workshops, ein Buddy-Programm und Q&A-Formate für Schülerinnen und Schüler. Das stolze Ergebnis: 140 Jugendliche, 80 Buddies aus 13 Studiengängen und eine Weiterempfehlungsrate von 97 %. Besonders eindrücklich waren die staunenden Gesichter der Schülerinnen und Schüler, wenn sie „einen echten Professor“ trafen und die Erkenntnis, dass man mit ganz unterschiedlichen Studiengängen Unternehmensberater werden kann. Ein Zitat aus dem Programm bleibt in Erinnerung: „Wer hohe Türme bauen will, braucht ein gutes Fundament.“ ‚Waywise‘ hat an genau diesem Fundament gearbeitet.
ScrollSmart – bewusst scrollen statt endlos verlieren
Das Team von ‚ScrollSmart‘ ging dorthin, wo Jugendliche täglich viele Stunden verbringen: Social Media. In 90-minütigen Schulworkshops sensibilisierten Emma Büsse, Luise Nitzsche, Marielen Pohl, Laura Walden-Ogrodnik und Pia Wilde Schülerinnen und Schüler für Chancen und Risiken des Scrollens, vermittelten Methoden für einen bewussteren Umgang mit digitalen Medien und zeigten Alternativen auf. Sie erhoben keinen moralischen Zeigefinger, sondern boten Reflexion auf Augenhöhe.
Man spürt nicht nur bei dieser Präsentation: Ausgewogene, wirksame Projekte entstehen auch aus guter Teamkultur.
Später am Abend bringt es Prof. Dr. Ulrich von Jeinsen, Kuratoriumsvorsitzender der Kurt-Alten-Stiftung, als Gastredner auf den Punkt: Der „Return on Invest“ dieses Programms sei enorm. Bei einer Veranstaltung von Hannover-Impuls habe er erst kürzlich die ehemaligen Projektmitglieder von ,Wasteside Story‘, einem Projekt aus dem Programmjahrgang 2022/23, getroffen, die ihre Idee heute in einem Start-up vorantreiben.
Der neue Jahrgang: Vielfalt als Stärke
Zum Abschluss stellt sich der 8. Jahrgang mit 20 neuen Teilnehmenden aus den Studiengängen Wirtschaftswissenschaft, Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau, Jura und Elektro- und Informationstechnik vor.
Da ist die Theater spielende Statistik-Tutorin, der Maschinenbauer von „Ingenieure ohne Grenzen“, die WiWi-Studentin mit chinesischen Wurzeln, die malt, ein Tutor, der im Heimatdorf als Handwerker arbeitet, die angehende Juristin, die die Sprache ihrer griechischen Vorfahren noch besser lernen möchte, eine Pferdesportlerin, eine Kaffeeliebhaberin mit Latte-Art-Leidenschaft und der zukünftige Wirtschaftsingenieur, der sich bei DKMS engagiert. „Ich habe mich über Ihre Bewerbungen gefreut – das wird ein starker Jahrgang“, fasst Stefan Helber die Vorstellungsrunde zusammen.
An diesem Abend wird deutlich, das Kurt-Alten-Exzellenzprogramm fördert nicht nur Leistung. Es erzeugt Haltung und es bringt Studierende dazu, sich zu fragen: „Was kann ich mit meinen Fähigkeiten für andere tun?“ Bis April 2027 werden zwei Seminarwochen, spannende Workshops, anregende Kaminabende und individuelle Coachings den ‚Neuen‘ den Raum geben, genau das auszuprobieren.
Autorin: Birgitt Baumann-Wohlfahrt
>>> Zu den Impressionen der Veranstaltung
Hinweis der Redaktion:
Weitergehende Informationen zum Kurt-Alten-Exzellenz-Programm der Leibniz Universität Hannover https://www.wiwi.uni-hannover.de/de/kurt-alten-programm/ erhalten Sie unter stefan.helber@prod.uni-hannover.de.